8. Veranstaltung: Nationalismus

Nationalismus ist eine Weltanschauung, die nicht nur Diskurse und Meinungen, sondern auch das Selbstverständnis und die Lebensrealitäten fast aller Menschen in unserer Umgebung prägt und die uns alle angeht. Mit einer Veranstaltung am 26. April möchten wir untersuchen, woher die ungemeine Attraktivität des Nationalismus kommt.
Warum bezeichnen sich Menschen als Angehörige einer Nation? Warum scheint ihnen ganz selbstverständlich z.B. Franzose, Deutsch oder Russin zu sein? In einem weiteren Schritt soll es auch um eine Kritik des Nationalismus gehen – denn unproblematisch oder unbedenklich ist er keinesfalls.

Schon gespannt?
Hier findet ihr weitere Infos zum Inhalt und zum Referenten:

Psychologie des Nationalismus

Nationalismus begegnet uns überall. Ob bei Fußballturnieren, in der Kneipe oder im Seminar. Die positive Identifikation mit einer “vorgestellten Gemeinschaft” (Benedict Anderson) tritt zwar in verschiedenen Spielarten auf, weitgehend unhinterfragt bleibt aber die Vorstellung, dass Nationalismen etwas überhistorisches und beinahe naturhaftes darstellen würden.

Im Rahmen des Vortrags soll vor allem der Frage nachgegangen werden, wie sich der Nationalismus psychoanalytisch erklären lässt. Des Weiteren soll dargestellt werden, warum dem Nationalismus in bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaften die Funktion zukommt, ein Kitt in den von Ungleichheit geprägten Gesellschaften zu sein und warum Theodor W. Adornos Überlegungen zum “Kollektiven Narzissmus” nach wie vor für eine Analyse und Kritik des Nationalismus von wesentlicher Bedeutung sind.

 

Der Referent Mark van Eijk lebt in Köln, hat Politikwissenschaften und Soziale Arbeit studiert und beschäftigt sich gegenwärtig mit der Nationalismusanalyse der frühen Kritischen Theorie.

 

Freitag, 26.04.2013, 19:30 Uhr
Selbstverwaltetes Jugend- und Kulturzentrum „Club Courage
Friedensstraße 42 (Hinterhof), 48145 Münster

 

Diese Veranstaltung wird gefördert durch:
AStA der Fachhochschule Münster
AStA der Universität Münster.

7. Veranstaltung: Film und Shoah

Kann die Shoah überhaupt Stoff für Film sein? Oder muss jeder derartige Versuch darin enden, das Irrationale zu rationalisieren und den Schrecken und die Barbarei zum Stilmittel einer solchen Inszenierung zu machen? Ist die Shoah überhaupt “theoretisierbar” oder begreifbar? Wie funktionieren Filme zu dieser Thematik und können sie im Umgang mit und für die Aufarbeitung der Vergangenheit sinnvoll sein? Was hieße das in diesem Zusammenhang?
Diesen Fragen, die sich im Umgang mit Filmen über die Shoah aufdrängen, möchten wir mit unserer nächsten Veranstaltung nachgehen. Wir möchten aber auch darüber hinausgehende Themenkomplexe anschneiden und uns zum Beispiel ansehen, welche gesellschaftlichen Verhältnisse solche Filme hervorbringen und welche Funktionen diese erfüllen.
Für dieses Vorhaben konnten wir Henrik Götte aus Braunschweig gewinnen und hoffen, dass euch das Thema genauso sehr interessiert wir uns. Wir freuen uns auf eure Teilnahme und eine lebhafte Diskussion!

Genaueres zum Inhalt des Vortrags und zum Referenten:

Film und Shoah

Filme über den industriellen Massenmord an den europäischen Jüdinnen*Juden durch die Deutschen gibt es viele. Mal lösen sie gesellschaftliche Debatten aus, mal kleinere oder größere Skandale, etwa wenn wieder allzu offensichtlich Geschmacklosigkeiten dilettantisch eingesetzt werden, um mediale Aufmerksamkeit zu erhaschen. Was bei all den Diskussionen um “gute” und “schlechte” Filme, dem Einsatz dieser Filme als erzieherische Maßnahme und ihrem akademischen Pendant, dem endlosen “Diskurse” spinnen, “Narrative” aufspüren und “Einschreibungen” offenlegen, völlig fehlt, ist ein Begriff des Gegenstandes, um den es eigentlich geht, denn “was ist ein Filmbild gegen eine Tatsache?” (Claude Lanzmann).

Unter den gesellschaftlichen Bedingungen, die zu Auschwitz führten und weder beseitigt worden sind, noch als solche begriffen werden, wird nicht zuletzt durch Film die Shoah verwandelt in das kulturelle “Artefakt Holocaust”, das “wie eine Drei-D-Brille wirkt, die jeder kennt und aufsetzen kann” (Detlev Claussen). Die Funktionsweise von Film, Personalisierung, Suggestion und Konkretisierung abstrakter Zusammenhänge trägt, eingebettet in postnazistischen “Erinnerungskitsch”, das ihre dazu bei, die intellektuelle Durchdringung des Gegenstandes zugunsten einer Debatte über – und des Konsums von – Darstellungen zu verschieben. Der Antisemitismus des Nationalsozialismus bleibt so diffus oder wird pathologisiert. Aus Erkennen wird Darstellen, durch “Erinnerung” wird alles weit von sich geschoben und nicht selten der Judenvernichtung noch nachträglich ein Sinn angeheftet.

Daraus ergibt sich, dass über Filme, die von der Shoah handeln, nicht im aufklärerischen Sinn gesprochen werden kann. Nicht was diese Filme zum Verständnis, sondern zur völligen Verschleierung des Bewusstseins beitragen, wird exemplarisch an “Shoah” von Claude Lanzmann und “Schindlers Liste” von Steven Spielberg diskutiert werden.

 

Henrik Götte hat in Braunschweig Medienwissenschaften studiert und ist Lehrbeauftragter an der Technischen Universität Braunschweig.

 

Mittwoch, 12.12.2012, 19:30 Uhr
Selbstverwaltetes Jugend- und Kulturzentrum „Club Courage
Friedensstraße 42 (Hinterhof), 48145 Münster

 

Diese Veranstaltung wird gefördert durch den
AStA der Universität Münster.

6. Veranstaltung: Verdinglichung der Natur

Anknüpfend an die Veranstaltung mit Christoph Plutte zu materialistischen Naturbegriffen im letzten Semester haben wir zusammen mit dem Uni AStA Dirk Lehmann aus Bielefeld zu einem Vortrag über ein ähnliches Thema eingeladen. Wir möchten zusammen mit Studierenden aller Fachbereiche die Auffassung, Natur sei mit Herrschaft zu belegen, kritisch beleuchten und sie als ein Element der bestehenden Ordnung herausstellen, das diese in ihren Grundfesten ausmacht. Dabei spielt für uns auch eine besondere Rolle, dass dies einen zentralen Punkt der Kritik der ‚Frankfurter Schule’ ausmacht und dass von jenem aus das Denken und die Aktualität dieser leicht erschlossen werden können.
Vor wenigen Jahren noch stark frequentiert, ist das Lehrangebot zur ‚Kritischen Theorie’ aus den Hochschulen nahezu verschwunden oder wird nur noch operationell genutzt bzw. historisierend wegsortiert – wir möchten einen (studentischen) Gegenpol dazu anregen und über die Auseinandersetzung mit dem Bestehenden mit der Studierendenschaft ins Gespräch kommen.

Hier wie versprochen der Ankündigungstext
und weitere Informationen zum Referenten:

Naturbeherrschung und Emanzipation.
Kritische Theorie über die Verdinglichung der Natur

Die kritische Theorie entsteht in den frühen dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts als eine Reflexion der ausgebliebenen proletarischen Revolution. Mit der Dialektik der Aufklärung, und das heißt mit der Erfahrung des Stalinismus, vor allem aber des Nationalsozialismus und der Ermordung der europäischen Juden, betritt die kritische Theorie indes eine neue Reflexionsstufe: Es geht nunmehr um die Reflexion der ausgebliebenen Zivilisation. Damit rückt das Problem der Beherrschung der Natur in den Fokus.
Wenn Theodor W. Adorno 1940 an Walter Benjamin schreibt, dass „alle Verdinglichung ein Vergessen ist, Objekte dinghaft in dem Augenblick werden, wo sie festgehalten sind, ohne in allen ihren Stücken aktuell gegenwärtig zu sein: wo etwas von ihnen vergessen ist“, dann kann im Anschluss daran unter dem Begriff der Naturbeherrschung die Verdinglichung der Natur verstanden werden. Die Vereinheitlichung des stets Werdend-Gewordenen, des qualitativ Besonderen, im Zusammenhang mit anderem Stehenden, kann, wie prekär auch immer, nur durch Tilgung eben jenes Nicht-Identischen gelingen.
Damit greifen Horkheimer, Adorno und andere die Marx-Lukács’sche Verdinglichungskritik auf, gehen aber über sie insofern hinaus, als ihnen nicht allein der ‚moderne Kapitalismus’ zum Problem wird, sondern die angespannte Zivilisation insgesamt. Während die klassischen Vertreter der kritischen Theorie Naturbeherrschung wesentlich bezogen auf die Natur, die wir selber sind, werden die Überlegungen zur Naturbeherrschung im Lichte der ökologischen Krise bezogen auf die Natur, die wir nicht sind.
Das Problem der Naturbeherrschung betrifft aber nicht allein die ökologische Krise, sondern berührt die Frage nach der Emanzipation der Menschheit insgesamt, wie sie etwa im berühmten Aphorismus Sur l’eau aufgeworfen ist. Mit einem dialektischen Begriff von Natur ließe sich schließlich zeigen, dass Natur nicht allein etwas den Menschen Schreckendes oder etwas von den Menschen zu Unterjochendes – sondern auch und vor allem etwas mit der Menschheit zu Versöhnendes ist.

 

Dirk Lehmann hat in Duisburg und Bielefeld Soziologie studiert. Er arbeitet gegenwärtig über die Entstehung und Entwicklung der kritischen Theorie und veröffentlicht unregelmäßig im Kritiknetz – Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft und in Phase 2 – Zeitschrift gegen die Realität.

 

Donnerstag, 15.11.2012, 18:30 Uhr
Selbstverwaltetes Jugend- und Kulturzentrum „Club Courage
Friedensstraße 42 (Hinterhof), 48145 Münster

 

Diese Veranstaltung wird gefördert durch den
AStA der Universität Münster.

Sommerpause

Nach einem kurzweiligen Semester und den ersten 5 erfolgreichen Veranstaltungen geht’s für uns erstmal in die Sommerpause – das heißt Urlaub, gute Bücher und Abhängen, aber auch Hausarbeiten, Nachbereitung des letzten und Vorbereitungen für das nächste Semester.

Ab Oktober geht’s dann nicht nur an der Uni, sondern auch mit spannenden Veranstaltungen von uns weiter! Wenn ihr Ideen für Themen oder Referent*innen habt oder mitmachen möchtet, meldet euch doch per Mail bei uns. Wir freuen uns schon auf euren Input und eure Teilnahme an den kommenden Vorträgen. Wer eine Veranstaltung verpasst hat oder wem die vorlesungsfreie Zeit einfach zu dröge wird, kann ja mal hier reinhören.

Schöne Semesterferien und bis bald!
 

5. Veranstaltung: Street Art

Ist Street Art eine Form des politischen Diskurses? Wieso werden Sprayer*innen – die teilweise durchaus ansprechende Kunstobjekte in den öffentlichen Raum zaubern – von der Polizei gejagt? Street Art ist mittlerweile als eigenständige Kunstform anerkannt, an deren Beispiel sich leicht Fragen nach den Spannungsfeldern zwischen Eigenständigkeit, Politik und Kommerzialisierung aufwerfen lassen. Mit einer Veranstaltung Ende Juni wollen wir einigen dieser Fragen nachspüren, denn auch in Münster trifft man vielfältige Formen der Street Art an – von Stickern und Murals über Stancils und Paste-Ups bis hin zu Graffitis und selbstverständlich Tags.

Hier der Ankündigungstext mit ein paar Infos zum Referenten:

Street Art zwischen Revolte, Repression und Kommerz
Das Beispiel der Pariser Graffiti-Künstlerin Miss.Tic
und des Hamburger Sprayers OZ

In Hamburg wurde Walter F. alias „OZ“ für insgesamt 8 Jahre ins Gefängnis geschickt, nur weil er seine immer gleichen Smiley-Zeichen auf die Rückseiten von Verkehrsschildern oder auf hässlich-graue Bunkerwände sprayte. In Paris verzierte Miss.Tic mit poetischen Pochoirs Häuserwände ganz in der Tradition des Situationismus. Auch sie wurde dafür angeklagt, um sich nur wenig später als hip-angesagte Künstlerin in ihrem Ansinnen, sich einen Platz in der Kunstgeschichte zu erobern, bestätigt zu fühlen.

Woher rührt die subversive Kraft von Graffitis und das nicht erlahmende Verfolgungsinteresse staatlicher Repressionsorgane? Was Street Art ausmacht, ist die politische Dimension in Form von Illegalität und Aneignung von Stadt viel mehr noch als ihr künstlerisches Erscheinungsbild. Im Rahmen der Veranstaltung wird zu diskutieren sein, inwieweit Street Art ihren rebellischen Ursprungscharakter als „Aufstand der Zeichen“ noch bewahren kann, oder ob sie sich dem Verwertungsinteresse des Kunstbetriebs nicht mehr widersetzen kann.

 

KP Flügel hat zusammen mit Jorinde Reznikoff in der Edition Nautilus das Buch „Bomb it, Miss.Tic“ herausgegeben und sowohl die widersprüchliche Karriere der Graffiti-Künstlerin als auch den Prozess gegen „OZ“ journalistisch verfolgt. Er betreut bei Radio FSK u.a. die „neopostdadasurrealpunkshow“ und schreibt für verschiedenen Medien wie „der Wahrschauer“, „GWR“ und „Direkte Aktion“.

 

Montag, 25.06.2012, 20:00 Uhr
Selbstverwaltetes Jugend- und Kulturzentrum „Club Courage
Friedensstraße 42 (Hinterhof), 48145 Münster

 

Diese Veranstaltung wird gefördert durch den AStA der Universität Münster und findet statt in Kooperation mit den Projektstellen „Theorie organisiert Praxis“ und „Kulturelle Freiräume“.