Archiv für Mai 2013

9. Veranstaltung: Kolonialismus

Ende Mai möchten wir mit einer Veranstaltung auf einen vergessenen und verdrängten Teil der deutschen Geschichte aufmerksam machen: den Kolonialismus.

Dass es nötig ist, diesen Themenkomplex besser zugänglich zu machen, zeigt sich in der fehlenden ernsthaften geschichtskulturellen Aufarbeitung beispielsweise in den Medien oder der Schule. Um sich in aktuelle Diskurse einbringen zu können oder diese zu eröffnen (in der Forschung, um Entschädigungszahlungen, bei Straßen- umbennenungen usw.), fehlt vielen nicht nur das Wissen, sondern auch die Sensibilität, diese wahrzunehmen.
Uns wäre es ein Anliegen, dass sich auch verstärkt Studierende in solche Debatten einschalten und mit dem Schlagwort „Kolonialismus“ mehr verbinden als die französische, niederländische oder britische Geschichte.

Deshalb haben wir zusammen mit den ASten von Uni und FH einen Vortrag organisiert, der in die historischen Abläufe einführen, Forschungsdiskussionen erklären, aber auch auf die Aktualität des Themas hinweisen soll:

Deutscher Kolonialismus – Deutsche Expansionspolitik

„Irgendwann zwischen 1500 und 1920″, so formuliert es der Historiker Jürgen Osterhammel in einem Einführungsbändchen zum Thema Kolonialismus, „geriet die Mehrzahl der Räume und Völker der Erde unter die zumindest nominelle Kontrolle von Europäern“. Als sich das erst 1871 gegründete deutsche Reich in diesen Wettkampf um territoriale und machtpolitische Expansion einschaltete, hatten andere europäische Großmächte einen Teil dieser Kolonien schon wieder eingebüßt; um die Aufrechterhaltung und Neuakquisition anderer Einflussgebiete wurde daher bisweilen umso nachhaltiger gekämpft.

Im Vortrag soll die Entstehung des deutschen Wunsches nach einem eigenen Kolonialreich, ausgehend von den zunächst bloß rhetorischen Eroberungsphantasien deutscher Dichter und Denker bis zur praktischen Umsetzung dieser Vorhaben im Rahmen der Beteiligung des Reichs am sogenannten „scramble for africa“, nachgezeichnet werden. Weiter soll versucht werden, die durchaus vorhandene Aktualität dieser kurzen zeithistorischen Epoche anhand einiger Beispiele zu zeigen, etwa an der Weigerung der Bundesregierung, Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen der Herero und Nama zu entrichten, zweier Bevölkerungsgruppen, die im heutigen Namibia eines der ersten Opfer deutscher Kriegsführung im zwanzigsten Jahrhundert wurden. Indes wird die Erinnerung an deutsche „Kolonialabenteuer“ – nicht nur, aber auch in Münster – den heutigen Zeitgenossen vor allem durch fortbestehende Straßennamen oder Denkmäler aufrecht erhalten.

 

Der Referent Dominik Koch hat Geschichte und Philosophie an der Universität Duisburg-Essen studiert und beschäftigt sich unter anderem mit Fragen bezüglich des Verhältnisses zwischen kolonialer Metropole und Peripherie.

 

Donnerstag, 30.05.2013, 19:30 Uhr
Selbstverwaltetes Jugend- und Kulturzentrum „Club Courage
Friedensstraße 42 (Hinterhof), 48145 Münster

 

Diese Veranstaltung wird gefördert durch:
AStA der Fachhochschule Münster
AStA der Universität Münster.

Nachlese: Nationalismus

Zur Nachbereitung des Vortrages „Psychologie des Nationalismus“ hat uns der Referent Mark van Eijk auf einige Texte hingewiesen – diese Tipps wollen wir euch selbstverständlich nicht vorenthalten.

Viel Spaß!

  • Schediwy, Dagmar (2012): Pech im Job, Glück im Spiel. Zur Sozialpsychologie des deutschen Fußballpatriotismus, in: Jungle World 23/2012. [auch hier online]
  • Bohleber, Werner (1996): Nationalismus, Fremdenhass und Antisemitismus. Psychoanalytische Überlegungen, in: Krovoza, Alfred (Hg.), Politische Psychologie. Ein Arbeitsfeld der Psychoanalyse, Stuttgart, S. 143-166.
  • Lohl, Jan (2010): Gefühlserbschaft und Rechtsextremismus. Eine sozialpsychologische Studie zur Generationengeschichte des Nationalsozialismus, Gießen. [Darin vor allem: „Sozialpsychologie des Nationalsgefühls“, S. 23- 91]

Die Aufsätze von Schediwy und Bohleber eignen sich vor allem zum Einstieg. Bei Lohl werden diverse sozialpsychologische Ansätze dargestellt – wenn man richtig tief in die Materie einsteigen will, findet man bei diesem zahlreiche wichtige Hinweise und Literaturangaben zum Weiterlesen.