5. Veranstaltung: Street Art

Ist Street Art eine Form des politischen Diskurses? Wieso werden Sprayer*innen – die teilweise durchaus ansprechende Kunstobjekte in den öffentlichen Raum zaubern – von der Polizei gejagt? Street Art ist mittlerweile als eigenständige Kunstform anerkannt, an deren Beispiel sich leicht Fragen nach den Spannungsfeldern zwischen Eigenständigkeit, Politik und Kommerzialisierung aufwerfen lassen. Mit einer Veranstaltung Ende Juni wollen wir einigen dieser Fragen nachspüren, denn auch in Münster trifft man vielfältige Formen der Street Art an – von Stickern und Murals über Stancils und Paste-Ups bis hin zu Graffitis und selbstverständlich Tags.

Hier der Ankündigungstext mit ein paar Infos zum Referenten:

Street Art zwischen Revolte, Repression und Kommerz
Das Beispiel der Pariser Graffiti-Künstlerin Miss.Tic
und des Hamburger Sprayers OZ

In Hamburg wurde Walter F. alias „OZ“ für insgesamt 8 Jahre ins Gefängnis geschickt, nur weil er seine immer gleichen Smiley-Zeichen auf die Rückseiten von Verkehrsschildern oder auf hässlich-graue Bunkerwände sprayte. In Paris verzierte Miss.Tic mit poetischen Pochoirs Häuserwände ganz in der Tradition des Situationismus. Auch sie wurde dafür angeklagt, um sich nur wenig später als hip-angesagte Künstlerin in ihrem Ansinnen, sich einen Platz in der Kunstgeschichte zu erobern, bestätigt zu fühlen.

Woher rührt die subversive Kraft von Graffitis und das nicht erlahmende Verfolgungsinteresse staatlicher Repressionsorgane? Was Street Art ausmacht, ist die politische Dimension in Form von Illegalität und Aneignung von Stadt viel mehr noch als ihr künstlerisches Erscheinungsbild. Im Rahmen der Veranstaltung wird zu diskutieren sein, inwieweit Street Art ihren rebellischen Ursprungscharakter als „Aufstand der Zeichen“ noch bewahren kann, oder ob sie sich dem Verwertungsinteresse des Kunstbetriebs nicht mehr widersetzen kann.

 

KP Flügel hat zusammen mit Jorinde Reznikoff in der Edition Nautilus das Buch „Bomb it, Miss.Tic“ herausgegeben und sowohl die widersprüchliche Karriere der Graffiti-Künstlerin als auch den Prozess gegen „OZ“ journalistisch verfolgt. Er betreut bei Radio FSK u.a. die „neopostdadasurrealpunkshow“ und schreibt für verschiedenen Medien wie „der Wahrschauer“, „GWR“ und „Direkte Aktion“.

 

Montag, 25.06.2012, 20:00 Uhr
Selbstverwaltetes Jugend- und Kulturzentrum „Club Courage
Friedensstraße 42 (Hinterhof), 48145 Münster

 

Diese Veranstaltung wird gefördert durch den AStA der Universität Münster und findet statt in Kooperation mit den Projektstellen „Theorie organisiert Praxis“ und „Kulturelle Freiräume“.