2. Veranstaltung: Zum Begriff des Faschismus

Im März wollen Neonazis in Münster aufmarschieren. Im Aufruf des Bündnis „Keinen Meter den Nazis!“ (den wir unterstützen) heißt es: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“. Mit einer Veranstaltung zwei Wochen vor dem Aufmarsch möchten wir diskutieren, was mit „Faschismus“ eigentlich gemeint sein soll. Denn bis heute gibt es keine einheitliche Faschismustheorie, sondern nur viele vereinzelte Ansätze und Erklärungsversuche, obwohl das Wort „Faschismus“ in vielen (gesellschaftlichen) Diskursen häufig fällt.

Für einen Vortrag am 18.02.2012 haben wir dafür einen guten Bekannten einladen, der sich schon länger mit diesem Thema befasst. Er hat uns schon einen Ankündigungstext und einige Anmerkungen zu sich geschickt:

Zum Begriff des Faschismus
Eine Annäherung auf der Grundlage marxistischer Theorien

Die offene Diktatur des Finanzkapitals? Ein Resultat des Klassenkampfs der Kleinbürger? Oder die Herrschaft einer über den Klassen stehenden, verselbstständigten Exekutivgewalt? Als in den 1920er Jahren mit dem italienischen Faschismus eine vollkommen neuartige rechtsradikale Massenbewegung die Bühne der Weltpolitik betrat, entstanden in den kommunistischen Parteien Europas zahlreiche konkurrierende Versuche, dieses in sich so widersprüchliche Phänomen theoretisch zu fassen. Der Vortrag bietet einen Überblick über die „Klassiker“ der marxistischen Faschismusdiskussion. Behandelt werden die Theorien von Grigori Sinowjew, Georgi Dimitroff, Wilhelm Reich und August Thalheimer.
 
Die Theorien, die diese Marxisten in den 1920er und 30er Jahren entwickelten, bildeten die Grundlage für einen über Jahrzehnte fortwirkenden Diskurs um den Begriff und Gegenstand des Faschismus, der auch heute noch aktuell ist. Denn zumindest in den Debatten der politischen Linken ist der Begriff des Faschismus nach wie vor sehr präsent, allerdings ohne dass ihm dabei eine einheitliche Definition oder konsistente Theorie zugrunde liegen würde. Die Auseinandersetzung mit den „Klassikern“ der Faschismustheorie kann daher auch heute noch zur Klärung der Frage beitragen, was unter Faschismus eigentlich zu verstehen ist und ob er überhaupt jemals etwas anderes war, als ein bis zur Unkenntlichkeit überdehnter Kampfbegriff.

 

Der Referent Jonathan Müller hat Sozialwissenschaften studiert und beschäftigt sich in seiner Abschlussarbeit mit faschismustheoretischen Perspektiven auf die chilenische Militärdiktatur.

 

Samstag, 18.02.2012, 18:00 Uhr
Selbstverwaltetes Jugend- und Kulturzentrum „Club Courage
Friedensstraße 42 (Hinterhof), 48145 Münster

 
Diese Veranstaltung wird gefördert durch den
AStA der Universität Münster.

 

Einlassvorbehalt:
Die Veranstalter*innen behalten sich vor von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen Organisationen angehören oder der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder durch antisemitische, sexistische, rassistische oder nationalistische Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren.